Luther 2017

Wie er dichtet und singt

Lutherseminar der VCH Akademie in  Wittenberg

Sie haben am Schluss sogar selber gesungen, die Teilnehmer der Reise nach Wittenberg. Und vorher hatten sie einen ganz normalen Gottesdienst besucht: In der Wittenberger Stadtkirche. Hier, wo das Wort Bild geworden ist und wo Luther selber gepredigt hat, viele Male! Eingeladen hatte die Christliche Akademie des Vereins Christlicher Hoteliers(VCH) zu : Luther als Musiker und Dichter nach Wittenberg ins dortige Lutherhotel.


Stadtkirche zu Wittenberg von Fenster des Lutherhotels aus gesehen.

Foto. J.v.Wedel

Gleich zu Beginn die Frage  von VCH Präsident Henning von Wedel, trotz aktuellem Jubiläum:  Woher die Aktualität dieses Martin Luther in seiner Zeit – für unsere Zeit? Und er beschrieb: Damals wie heute erlebten wir eine Phase des Umbruchs, in der Altes, lange gültig Gewesenes zerbricht. Das Kommende kündigt sich an in Ahnungen, mal drohend, mal verheißungsvoll. In solchen Zeiten taucht stets die Frage auf nach  Bestand, Sinn und Wert.

In Luthers Diktion: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Luther wollte nicht in die Hölle kommen. Wir suchen der Hölle in uns und um uns herum zu entkommen, den Zweifeln und der Verzweiflung, der Leere und der Depression, vor denen Vernunft und Technik nicht bewahren konnten. Was beide Epochen, die Reformationszeit und unserem noch jungen Jahrtausend miteinander verbindet, sei die Suche nach einem verlässlichen Grund, der dem Leben Vertrauen und Gewissheit gibt. Was Luther lebenslang das Wichtigste und Gewisse, das Allerselbstverständlichste und Unbestrittenste war, wovon er nur in der Weise „entschiedener Behauptung“ zu reden vermochte, erscheine jedoch heute als unwichtig und ungewiss, höchst bestreitbar, wenn nicht unwiederbringlich erledigt. Nicht, dass Luther so fest an den Teufel, sondern dass er so gewiss geglaubt hat, bereitet heute die größte Beschwer.

In Luther fasst sich, indem er sie am eigenen Leib konzentriert erlebt, seine Zeit zusammen: das ausgehende Mittelalter mit seinen tiefsten Ängsten und Ahnungen.  „Er fühlt der Zeiten ungeheuren Bruch. Und fest umklammert er sein Bibelbuch“ (Conrad Ferdinand Meyer).

Anschaulich zu machen versucht die damalige Zeit das Panorama LUTHER 1517, für viele ein Highlight des Lutherjahrs  in Wittenberg , eine Rotunde von ca. 15x75 gestaltet von Yadegar Asisi.  Und heute? Die evangelische Kirche sei ihrem Selbstverständnis nach bleibend reformbedürftig, denn die Zeiten ändern sich. Auch sei die Kirche nicht im Glaubensbesitz, sondern laufe immer wieder in die Irre läuft – genau wie ihre einzelnen Glieder, einschließlich der kirchenleitenden Persönlichkeiten. Deshalb bedarf auch die Kirche, wie jedes ihrer Glieder, immer wieder der Rechtfertigung durch Gott. Auch die Kirche ist und bleibt rechtfertigungs- bzw. erlösungsbedürftig. Ein kurzer Überflick über diese „Reformen“ seit dem Dritten Reich bis heute, vorgetragen von VCH Akademieleiter Wolfgang Teichert, ergab, dass die reformatorische Kirche(so besonders ihr ehemaliger Ratsvorsitzender Wolfgang Huber)heute eine „kleine Reformation im 21. Jahrhundert“ brauche. Motto:: „Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität. Wo evangelisch draufsteht, muss Evangelium erfahrbar sein.“

Stadtführung in Wittenberg bei blauem Himmel, aber ziemlicher Kälte 

Foto: Johanna v.Wedel

Ja, man kann es wieder erahnen, das reformatorische Wittenberg, das als Luther es um 1508 zum ersten Mal gesehen hat, bereits eine mehr als 300jäjrige christliche Geschichte gehabt hat. Die Stadtführung betont, Luther sei das „Lehramt aufgenötigt“. Besonders die Philosophie, der er im Südflügel(Altes Kolleg) der Universität zu halten hatte. Er hätte die Philosophie damals gern getauscht „mit der Theologie, die den Kern der Nuß, das innere des Weizenkorns, das Mark der Knochen“ ergründe.

Es stellte sich heraus, viele der Teilnehmenden sind  mit der Lutherübersetzung  der Bibel aufgewachsen. Auch wegen ihres sehr hohen ästhetischen, poetischen Gehalts – gerade in ihrer Fremdheit, gerade weil sie nicht Alltagssprache sind: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1, d. Red.).“ Natürlich könnte ich übersetzen: „Ich habe alles, was ich brauche.“ „Mir wird nichts mangeln“ aber sei ein perfekter Satz wie der  Sprachkritiker Wolf Schneider über diese Verse sagt. Oder jene  Verse, die den Zuspruch Gottes ausdrücken: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein (Jesaja 43,1, d. Red.)!“ Das sei schon eine besondere Tönung, in der die Geborgenheit dieser Aussage wiedergegeben sei.

Und, um nur noch ein Beispiel zu erwähnen, dass von den Referenten engagiert  betont worden ist: Der „barmherzige Genetiv“. Bei Paulus (1.Korintherf 13) nämlich heiße es in Luthers Übersetzung:„Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle“ .Heute sei der „altmodischen Genitiv“ kaum noch zu hören:»… und hätte die Liebe nicht«.
Das gemeinsame Gespräch ergab: Jetzt erdrückt einen der Satz. Denn wer hätte schon »die Liebe«? Lieber also:»der Liebe …«. Ein Quantum Liebe, ein barmherziger Genitiv.

Luther habe übrigens nicht einen der zahlreichen deutschen Dialekte gewählt, sondern die sächsische Kanzleisprache, die weithin in Deutschland verstanden wurde. Zum anderen lag es an seiner Maxime, allgemeinverständlich zu übersetzen: „Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen“, erklärte er. Außerdem war der Reformator der erste, der als Vorlage neben der lateinischen Vulgata die Urtexte in griechischer und in hebräischer Sprache nutzte, die erst wenige Jahre zuvor herausgegeben worden waren.

Nicht nur Sprache jedoch war das Thema in Wittenberg auch der Gesang und die Musik. Spontan fielen Lieder ein, die von Martin Luther überliefert sind:. „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ „Verleih uns Frieden gnädiglich“ oder – wie Heinrich Heine treffend sagte – die Marseillaise des Protestantismus „Ein feste Burg ist unser Gott“. Luther  selber war – so ist es überliefert - ein geübter Sänger und Lautenspieler. Der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs habe ihn deswegen mit „Wittenbergische Nachtigall“ betitelt so Henning von Wedel.

Er konnte im Stil seiner Zeit komponieren und war mit den Werken wichtiger Komponisten des 15. und frühen 16. Jahrhunderts vertraut:

„Denn wir wissen, dass die Musik auch den Teufeln zuwider und unerträglich sei. Und ich sage es gleich heraus und schäme mich nicht, zu behaupten, dass nach der Theologie keine Kunst sei, die mit der Musik könne verglichen werden, weil allein dieselbe nach der Theologie solches vermag, was nur die Theologie sonst verschafft, nämlich die Ruhe und ein fröhliches Gemüte.“ Schrieb er an den Komponisten Ludwig Senfl. Und dabei betonte er  den pädagogischen Wert der Musik denn sie mache die „gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger“.

Aber die Bedeutung der Musik gehe für Luther  weiter:  Sie sei eine der  segensreichsten Gaben der Schöpfung: „. Weil diese Kunst von Anfang der Welt allen Kreaturen von Gott gegeben und von Anfang mit allen geschaffen ist, denn da ist mitnichten nichts in der Welt, das nicht ein Schall und Laut von sich gebe.“
 
Für den Gottesdienstgehöre  Singen und die Musik essenziell zur Verkündigung . Sie sei nicht nur als stimmungsmachende oder atmosphärische Begleitung zu betrachten, also nicht als  „musikalische Umrahmung“ oder „Untermalung. In einer seiner vielzitierten Tischreden sagt Luther: „So predigt Gott das Evangelium auch durch die Musik.“

Kirchenmusik sei , so von Wedel, für die evangelische Kirche kein schöner Luxus, auf den man in der Not auch verzichten könnte – sie bezeugt Christus, und Christus bezeugt sich selbst in ihr.

Und offensichtlich hätte Luther zum Zeitpunkt, als er die ersten Psalmlieder schrieb, noch nicht die radikale Einstellung zum Judentum, die später zu Äußerungen führte, hinter denen wir heute auf gar keinen Fall mehr stehen können.  Das erste bekannte Psalmlied ist der von ihm übertragene Psalm 130, aus dem das Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ entstanden ist. Auch „Ein feste Burg ist unser Gott“ ist ein frei an Psalm 46 angelehntes Lied:„Die Musik ist die beste Gottesgabe. Sie ist das größte, ja wahrhaft ein göttliches Geschenk und deshalb dem Satan völlig zuwider. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger, vernünftiger macht….“

Mit solchen, Einsichten der heutigen Musiktherapie und Neurologie vorwegnehmenden Worten Luthers im Ohr, wurde dann auch gesungen, nicht nur Lutherlieder übrigens, sondern sein auch bester musikalischer Nachfolger, Paul Gerhardts „Geh aus..“
Das hatten sie ja nun alle getan: Sie waren ausgegangen aus ihren Wohnungen und Städtenn um an Wittenberger Ort und Stelle die Atmosphäre, den Geist und die Stimmung auch stimmlich zu erleben.

Das muss wohl gelungen sein, denn jemand schrieb hinterher: „Ich hatte seit Kindertagen nicht mehr gesungen. Luther macht es wieder möglich.“ Und wenn die Welt voll Teufel wär.

Arrangement - 7=5 Winterwohlfühlzeit

7=5 Winterwohlfühlzeit

VCH-Hotel St. Elisabeth

Vom 07. Januar bis zum 31. März 2017 und vom 05. November bis zum 23. Dezember 2017 Begin...

ab 575.00

Tageslosung für 30.05.17 Ich, der HERR, habe dich gerufen, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker., Jesaja 42,6.7


VCH-Hotels Deutschland
Speditionstraße 15
40221 Düsseldorf
Tel. +49 (0)211- 55985518
Fax: +49 (0) 211-55985553

Newsletter-Anmeldung

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden mit unserem Gratis-Newsletter.