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Almanach christlicher Grundworte - Genuss

Genuss

„Christen haben meistens ein schlechtes Gewissen, wenn sie hemmungslos genießen. Und so bündelt sich das hartnäckigste Vorurteil gegenüber dem Christentum im Vorwurf der Genussfeindlichkeit. Man meint, Christen seien Leute  mit Betroffenheitsfalten im Gesicht. Ihre Kleidung hinke der Mode immer zehn Jahre hinterher, es gäbe keinen Sex, oder wenigstens keinen vor oder neben der Ehe. Höhepunkt für Genussfeindlichkeit sei Sonntagsgottesdienst mit einem Häppchen Brot und einem Schlückchen Wein, während der Rest der Bevölkerung es sich beim ausgiebigen Brunch gut gehen lässt. Ab 11 Uhr selbstverständlich, denn vorher wird natürlich ausgeschlafen. Dabei hat schon der Theologe Daniel Friedrich  Schleiermacher(1768 bis 1834) Religion als „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“ bestimmt. Es gehe also auch in der Religion um Schmecken und um Genießen. Aber wenn man sieht, wie kalorienbewusst und – gesteuert unser Essverhalten heute ist, kann man auf die Idee kommen, der Verzicht sei die moderne Form des Genießens. Und wenn man Genuss als Rausch, Ekstase und Kontrollverlust definiert, dann genießt letzten Endes auch der extreme Asket. Es geht ihm dann ein wenig so wie dem homerischen Helden Odysseus am Mast, der die Sirenen hören kann, aber sich hat festbinden lassen, damit er ihnen nicht verfällt. Odysseus könnte das Sinnbild für einen Genuss sein, der sich durch strengste Selbstkontrolle auszeichnet. Denn Odysseus überlässt sich nicht kopflos dem tödlichen Zauber des Sirenengesangs. Er bewahrt gesunden Abstand zum Objekt des Begehrens und damit die absolute Herrschaft über sich selbst. Aber ist das wirklicher Genuss?

Gut, wir konnten noch nie über soviel Nahrungsüberfluss verfügen wie heute, während weltweit Millionen von Menschen hungern und ums nackte Überleben kämpfen. Das kann Verzicht zeitweilig wirklich notwendig machen.

Aber für Genuss ist unser Vorbild weniger Odysseus oder der heute gezügelte Konsument.

In unsere Tradition zitiert Jesus selber, was die Leute über ihn sagen (Matthäus 11, 19):

„Des Menschen Sohn ist gekommen, isset und trinket; so sagen sie: Siehe, wie ist der

Mensch ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und Sünder Geselle!“

Jesus scheint also genießenden Umgang mit Menschen (auch mit Frauen!) und Geboten gepflogen zu haben. Auch die berühmte Szene, wo Jesus von einer „Sünderin“ sich ganz passiv genießend die Füße salben lässt (Lukasevangelium Kapitel 7, 36 – 50), zeigt seine Nähe zu freiem und souveränem Genuss.

Er regte damit zu einer „Ethik der Großzügigkeit“ an. In ihr hat Sympathie zum und beim Genuss den Vorrang  vor Konkurrenz und Neid. Wer also – wie er - genießen will, wird sich anrühren lassen. Zum Genießen gehört dann auch, dass man zuweilen die Ängste vor Kontrollverlust hinter sich lässt, weil man sich - auch genießend - akzeptiert weiß. Wir brauchen nicht immer Souverän unsres eigenen Lebens zu sein. Für Schleiermacher jedenfalls, - so hat auch die Kulturbeauftragte der EKD(Dr. Petra Bahr) herausgefunden - seien die weltlichen Genüsse  „ein gutes Glas Wein, ein köstliches Dessert, ein Jazzstück, das in die Füße geht, eine Formulierung, die unvergesslich bleibt, die Berührung durch einen anderen Menschen“ – Zeichen des Lebensgenusses aus dem Geist des Christentums. Zuneigung und Verausgabung an den Anderen, Zeiten mit Mahl und Liebe  sind Voraussetzung für unsere Genussfähigkeit. Petra Bahr schlägt in diesem Zusammenhang sogar eine erneuerte Kultur des Sonntags vor, als Tag geistlicher, geistiger, weltlicher, sozialer und kultureller Genüsse.

Ein Tag der Großzügigkeit und des Genusses eben.

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